„eh da Kosten“ und die Finanzierung von OER – Die Aufgabe für WOERker

Da nicht alle BWL studiert haben, zunächst ein Erklärungsversuch für „Nicht-BWL-er“ zu „eh da Kosten“ – manche schreiben übrigens auch EDA-Kosten.

„eh da Kosten“ sind Kosten, die ohnehin,  so oder so anfallen.

Beispiel  aus dem Privatbereich:
Die Stromkosten für  meinen PC, an dem ich im Moment sitze und der fast den ganzen Tag läuft, wenn ich zuhause arbeite, fallen an, egal welches Browserfenster ich gerade offen habe, ob ich jetzt etwas für COER schreibe oder eine Fortbildung vorbereite. Sie sind also eh da.

Ganz ähnlich sehe ich es bei den Kosten, die für OER – bezogen auf mein Einsatzszenario „OER in der Lehrerfortbildung“  anfallen.

Zur Erinnerung: Meine Zielsetzung  in der Lehrerfortbildung

  • OER bekannter machen
  • Fortbildner und Lehrer motivieren, ihre Materialien unter CC zu stellen.

Dazu will ich vor allem meine eigenen  Materialien unter eine CC-Lizenz stellen.

Überlegungen zu den Kosten

1. Materialerstellung

Für jede Fortbildung, die ich halte, werden Materialien benötigt.

Wenn ich sie selbst erstelle, fallen hauptsächlich Kosten für meine Arbeitszeit an.

Diese Kosten fallen an, egal ob ich die Materialien mit einer CC-Lizenz versehe oder nicht. Ich erstelle die Materialien in meiner Arbeitszeit.

–> eh-da Kosten!

Betrieb / Zurverfügungstellung

Die Materialien werden i.d.R. in Moodle-Kurse eingebunden. Hierfür stehen in Baden-Württemberg eine landesweite Moodle-Instanz und auf Ebene des Regierungspräsidiums eine regionale Moodle-Instanz zur Verfügung. Ob dort meine Materialien lagern oder nicht, ist kostenmäßig egal.

–> eh-da Kosten!

Würde ich die Materialien auf meiner eigenen Homepage zur Verfügung stellen, fallen auch keine zusätzliche Kosten mehr an. Der Webspace ist vorhanden und sowieso bezahlt.

–> eh-da Kosten!

Veröffentlichung der Materialien in einem Blog – beispielsweise wordpress

Wenn ich mich mit Einschränkungen der Usability und bei Speichervolumen zufrieden gebe und Werbung in Kauf nehme, fallen gar keine Kosten an.

3. Qualitätssicherung / Wartung

Wenn diese Materialien (durch mich oder andere) nach einem ersten Durchlauf verändert werden (müssen), werden sie nur verändert, wenn sie wieder zum Einsatz kommen werden.  Auch dies geschieht ohnehin.

–> eh-da Kosten!

4. „Marketing“

Wenn während der Fortbildungsveranstaltung ein paar Minuten für CC-Lizenzierung geworben wird, dann entstehen keine zusätzlichen Kosten. Ich bin eh am Veranstaltungsort, es ist meine Arbeitszeit und es ist „egal“ was ich in der Veranstaltung zusätzlich mache.

Auch bei Dienstbesprechungen, auf denen ich Informationen zu OER geben und dafür werben kann, bin ich ohnehin.

–> eh-da Kosten!

5. Entstehende Werte

  • Einsparung von Arbeitszeit bei mir, wenn ich fremde Materialien unter CC-Lizenzen selbst verwende.
  • Einsparung von Arbeitszeit bei Fortbildungsteilnehmern, wenn sie OER verwenden.Lässt sich monetär beziffern, sofern die Arbeitszeitersparnis ermittelt werden kann. Viel wichtiger wäre m.E. die ggf. zusätzliche Freizeit, die zur Verfügung stehen könnte, wenn nicht alle Materialien selbst erstellt werden.
  • Aber nicht zu vergessen:
    Der Spaß an der Freud, wenn man etwas Neues angeht! Das ist für mich ein wichtiger und unerlässlicher Wert.
  • .. und vielleicht ein bisschen Altruismus, in einer Zeit, die häufig nur die Ökonomie in den Vordergrund stellt (oder auch stellen muss).

Ist eine Finanzierung bei meinem Einsatzszenario im Moment überhaupt notwendig?

Solange ich in der Lehrerfortbildung beschäftigt bin, ist aus meiner Sicht eine zusätzliche Finanzierung für eine CC-Lizenzierung nicht erforderlich, da die Kosten eh da sind.

Anders sieht es evtl. aus, wenn ich in den nächsten Jahren aus dem Schuldienst ausscheiden werde und sicherlich das eine oder andere außerhalb der staatlichen Lehrerfortbildung kostendeckend weiterführen möchte. Aber dafür habe ich noch keine Idee.  Zu Flattr kam mir jedenfalls spontan während des Online-Events der Gedanke: Macht Kleinvieh wirklich Mist? Dies soll allerdings nicht in Abrede stellen, dass durchaus gezielt Gelder über derartige Modelle eingesammelt werden können.

Creative Commons Lizenzvertrag
„eh da Kosten“ und die Finanzierung von OER? – Die Aufgabe für WOERker von Sonja Gerber steht unter einer Creative Commons Namensnennung 3.0 Unported Lizenz.

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5 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemein, Bildungsmedien

5 Antworten zu “„eh da Kosten“ und die Finanzierung von OER – Die Aufgabe für WOERker

  1. ja das geb ich schon recht, das ist der Vorteil der Personen die das „sowieso“ machen müssen, allerdings wie du richtig schreibst, geben die ihre Materialien auch meistens nicht raus – daher ist die Bewusstseinbildung doch noch wichtig.

    Was noch „fehlt“ zur Beantwortung der WOERkerfrage aus meiner Sicht: Welchen Wert hast du für die Gesellschaft geschaffen? Weil ich es auch wesentliche finde, dass wir das auch einmal ins Bewusstsein bringen. Die gute Arbeit können wir so noch bewusster machen und das tut unserem Berufsstand auch sehr gut 🙂

    Danke für deinen Beitrag

  2. Hallo Martin,
    für „die“ Gesellschaft sind meine CC-Materialien mehr oder weniger „wertlos“ – da nur für bestimmte Zielgruppen brauchbar und nicht für die Ewigkeit gemacht (Beispiel: Arbeitsauftrag zu einer Fortbildung über WebQuests und individuelle Förderung, an dem ich im Moment sitze).
    Aber: Ich kann, wenn ich mit CC lizenziere eben auch ein Handlungsmuster transportieren, hinter dem ich stehe, das ggf. von anderen übernommen wird. Das wäre für mich der eigentliche Wert für „die“ Gesellschaft.
    Was meinst Du, was meinen andere?

  3. Schöne Argumentaion und gut erklärt. Ich möchte mich Martin kurz anschliessen und noch etwas ergänzen. Es fehlt der Punkt „Ich weiss nicht welchen Vorteil du von einer Veröffentlichung hast, aber ich weiss, dass Du definitiv keinen Nachteil davon hast.“ Ich hab bei uns ca. 2 Jahre gekämpft um unsere Animationen als OER auf YouTube zu veröffentlichen. Alle waren intern dagegen, da wir die auch verkaufen könnten oder andere Nachteile entstehen, z.B. Stärkung der Mitbewerber. Nach den zwei Jahren hab ich dann mit dem oben genannten Argument gehandelt (kleiner Rückblick http://onlinebynature.wordpress.com/2011/07/12/wahnsinn-14-million-klicks-auf-youtube/ ).
    Inzwischen haben wir fast 1 Mio Klicks auf dem Channel (man sieht nur die öffentlichen Klicks, nicht die der privaten Videos) und durch die Werbung (Kleinvieh macht auch Mist), kann ich fast einen Studenten bezahlen, der weitere Videos veröffentlicht. Inzwischen ist bei uns im gesamten Team (oncampus) der Vorteil von den OER Videos ersichtlich (Kooperation, Marketing, Plattformunabhängigkeit) und die Akzeptanz ist da. Wir konnten sogar die FH Lübeck überzeugen, YouTube als Distributionskanal zu verwenden. Bei unseren neuen Projekten ist die Auflage für alle Videos, die wir produzieren, so gestaltet, dass man sie immer auf YT veröffentlichen kann, da alle Urheberrechte vorher geklärt sind. Wenn der Dozent etwas dagegen hat, machen wir es natürlich nicht.

    Grüße aus dem Norden
    Andreas

    • Helma Pasch

      Wenn ich Materialien für Lehrveranstaltungen an der Uni Köln erstelle und auf ILIAS ablege, sind die nach ein paar Jahren ohnehin veraltet und weder für mich noch für andere wirklich zu gebrauchen.
      Materialien zu einer Lehrveranstaltung („Gebrauch neuer Medien“) kann ich für andere Lehrveranstaltungen („Struktur des Swahili“) nicht verwenden. Was mir zunutze kommt, ist die zunehmende Vertrautheit mit ILIAS.
      Dazu kommt, dass der Zugang zu ILIAS wie zu anderen Lernplattformen durch die jeweilige Uni kontrolliert bzw. Außenstehenden verweigert wird.

  4. Pingback: OER Finanzierung – Beispiele | Novembertage

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