Monatsarchiv: Mai 2013

„eh da Kosten“ und die Finanzierung von OER – Die Aufgabe für WOERker

Da nicht alle BWL studiert haben, zunächst ein Erklärungsversuch für „Nicht-BWL-er“ zu „eh da Kosten“ – manche schreiben übrigens auch EDA-Kosten.

„eh da Kosten“ sind Kosten, die ohnehin,  so oder so anfallen.

Beispiel  aus dem Privatbereich:
Die Stromkosten für  meinen PC, an dem ich im Moment sitze und der fast den ganzen Tag läuft, wenn ich zuhause arbeite, fallen an, egal welches Browserfenster ich gerade offen habe, ob ich jetzt etwas für COER schreibe oder eine Fortbildung vorbereite. Sie sind also eh da.

Ganz ähnlich sehe ich es bei den Kosten, die für OER – bezogen auf mein Einsatzszenario „OER in der Lehrerfortbildung“  anfallen.

Zur Erinnerung: Meine Zielsetzung  in der Lehrerfortbildung

  • OER bekannter machen
  • Fortbildner und Lehrer motivieren, ihre Materialien unter CC zu stellen.

Dazu will ich vor allem meine eigenen  Materialien unter eine CC-Lizenz stellen.

Überlegungen zu den Kosten

1. Materialerstellung

Für jede Fortbildung, die ich halte, werden Materialien benötigt.

Wenn ich sie selbst erstelle, fallen hauptsächlich Kosten für meine Arbeitszeit an.

Diese Kosten fallen an, egal ob ich die Materialien mit einer CC-Lizenz versehe oder nicht. Ich erstelle die Materialien in meiner Arbeitszeit.

–> eh-da Kosten!

Betrieb / Zurverfügungstellung

Die Materialien werden i.d.R. in Moodle-Kurse eingebunden. Hierfür stehen in Baden-Württemberg eine landesweite Moodle-Instanz und auf Ebene des Regierungspräsidiums eine regionale Moodle-Instanz zur Verfügung. Ob dort meine Materialien lagern oder nicht, ist kostenmäßig egal.

–> eh-da Kosten!

Würde ich die Materialien auf meiner eigenen Homepage zur Verfügung stellen, fallen auch keine zusätzliche Kosten mehr an. Der Webspace ist vorhanden und sowieso bezahlt.

–> eh-da Kosten!

Veröffentlichung der Materialien in einem Blog – beispielsweise wordpress

Wenn ich mich mit Einschränkungen der Usability und bei Speichervolumen zufrieden gebe und Werbung in Kauf nehme, fallen gar keine Kosten an.

3. Qualitätssicherung / Wartung

Wenn diese Materialien (durch mich oder andere) nach einem ersten Durchlauf verändert werden (müssen), werden sie nur verändert, wenn sie wieder zum Einsatz kommen werden.  Auch dies geschieht ohnehin.

–> eh-da Kosten!

4. „Marketing“

Wenn während der Fortbildungsveranstaltung ein paar Minuten für CC-Lizenzierung geworben wird, dann entstehen keine zusätzlichen Kosten. Ich bin eh am Veranstaltungsort, es ist meine Arbeitszeit und es ist „egal“ was ich in der Veranstaltung zusätzlich mache.

Auch bei Dienstbesprechungen, auf denen ich Informationen zu OER geben und dafür werben kann, bin ich ohnehin.

–> eh-da Kosten!

5. Entstehende Werte

  • Einsparung von Arbeitszeit bei mir, wenn ich fremde Materialien unter CC-Lizenzen selbst verwende.
  • Einsparung von Arbeitszeit bei Fortbildungsteilnehmern, wenn sie OER verwenden.Lässt sich monetär beziffern, sofern die Arbeitszeitersparnis ermittelt werden kann. Viel wichtiger wäre m.E. die ggf. zusätzliche Freizeit, die zur Verfügung stehen könnte, wenn nicht alle Materialien selbst erstellt werden.
  • Aber nicht zu vergessen:
    Der Spaß an der Freud, wenn man etwas Neues angeht! Das ist für mich ein wichtiger und unerlässlicher Wert.
  • .. und vielleicht ein bisschen Altruismus, in einer Zeit, die häufig nur die Ökonomie in den Vordergrund stellt (oder auch stellen muss).

Ist eine Finanzierung bei meinem Einsatzszenario im Moment überhaupt notwendig?

Solange ich in der Lehrerfortbildung beschäftigt bin, ist aus meiner Sicht eine zusätzliche Finanzierung für eine CC-Lizenzierung nicht erforderlich, da die Kosten eh da sind.

Anders sieht es evtl. aus, wenn ich in den nächsten Jahren aus dem Schuldienst ausscheiden werde und sicherlich das eine oder andere außerhalb der staatlichen Lehrerfortbildung kostendeckend weiterführen möchte. Aber dafür habe ich noch keine Idee.  Zu Flattr kam mir jedenfalls spontan während des Online-Events der Gedanke: Macht Kleinvieh wirklich Mist? Dies soll allerdings nicht in Abrede stellen, dass durchaus gezielt Gelder über derartige Modelle eingesammelt werden können.

Creative Commons Lizenzvertrag
„eh da Kosten“ und die Finanzierung von OER? – Die Aufgabe für WOERker von Sonja Gerber steht unter einer Creative Commons Namensnennung 3.0 Unported Lizenz.

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Einsatzszenario für OER in der Lehrerfortbildung

In den letzten 10 Jahren habe ich diverse Blended Learning Kurse für die Lehrerfortbildung in Baden-Württemberg konzipiert und durchgeführt.

Innerhalb der Kurse habe ich teilweise auf fremde Materialien verlinkt oder auch Materialien selbst entwickelt. Mit dem Urheberrecht habe ich mich sehr intensiv auseinandergesetzt, aber leider viel zu wenig mit OER. Anregungen, wie vielseitig und nützlich OER sein könnte, habe ich erst jetzt durch COER13 bekommen. Daraus leitet sich mein künftiges Einsatzszenario auch ab.

Ziel:

  • OER bekannter machen
  • Fortbildner und Lehrer motivieren, ihre Materialien unter CC zu stellen.

Vorgehensweise:

Zukünftig werde ich alle meine eigenen Fortbildungsmaterialien für die Lehrerfortbildung und Materialien, die ich für Schüler erstelle, möglichst unter by-sa stellen, damit andere „legal“ weiterarbeiten können und etwas Neues daraus entstehen kann. (Vorbildfunktion ;-))

Da meine Fortbildungsteilnehmer i.d.R. Arbeitsaufträge bearbeiten, die ein Endprodukt ergeben, das wiederum im Unterricht eingesetzt werden kann, werde ich versuchen, sie zu motivieren, ihre Ergebnisse auch unter Creative Commons zu stellen.

Was ist hierfür nötig?

  • Bewusstsein für Belange des Urheberrechtes bei den Fortbildungsteilnehmern.
  • Aufklärungsarbeit in der Lehrerfortbildung, wie CC-Lizenzen eingesetzt werden können. Welche Vor- und evtl. auch Nachteile sich durch eine derartige Lizenzierung ergeben (können).
  • Neue Mentalität unter Lehrern mit der Erkenntnis: Das Rad muss nicht immer wieder neu erfunden werden, andere Räder taugen etwas und dürfen unter CC sogar kostenfrei genutzt und evtl. verändert werden.
  • Mitstreiter müssen gefunden werden!
  • Austauschplattform muss gefunden werden.

Was sind Stolpersteine?

  • (Bisherige) Mentalität von Lehrern: Alles was gefällt und brauchbar erscheint, wird ohne Rücksicht auf das Urheberrecht (unterrichtsbezogen) verwendet. Solche Materialien können nicht unter CC gestellt werden. Außerdem sehen Lehrer aus meiner Erfahrung heraus, zumindest teilweise keinerlei Veranlassung ihre bisherige Cut&Paste-Mentalität zu ändern.
  • Auch wirklich selbst erstellte Materialien geben Lehrer ungern weiter. Es könnte ja irgendwo der i-Punkt fehlen ;-).
  • Es geht nicht von heut auf morgen, um OER bekannter zu machen :-(.

Was bleibt zu tun?

Anfangen und unter CC weitergeben bzw. veröffentlichen :-).

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Bildungsmedien frei geben und frei nehmen

Endlich kann ich heute in COER etwas mehr einsteigen.

COER ist inzwischen beim Bereich „OER selber machen“ angekommen.

In der Themenwoche 2: wird es ab morgen um OER Lizenzen gehen. Deshalb ein paar gnerelle Überlegungen zu meiner bisherigen Vorgehensweise.

Wie habe ich bisher meine erstellten Materialien lizenziert?

Sofern ich Artikel veröffentlich habe, habe ich auf mein Urheberecht © hingewiesen.

Grund: Ich habe mir keine großen Gedanken über eine weitere Verwendung durch Dritte gemacht. Außerdem ist es mir schon häufiger passiert, dass Texte von mir unzitiert übernommen wurden und zur Krönung dann auch noch ein fremder Name drüber oder drunter stand. Ich habe mehrfach dann verlangt, dass diese „gekaperten“ Texte entfernt werden sollten. Auf Vergütung habe ich immer verzichtet.

Andererseits habe ich, wenn ich vorher gefragt wurde, immer bereitwillig Texte zur kostenlosen Nutzung frei gegeben.

Bei meine Fotos auf Flickr und meinen Videos auf Youtube sind Rechte vorbehalten. Hat aber keinen besonderen Grund.

Erkenntnis: Auch © schützt nicht davor, dass Materialien unbefugt genutzt werden. Warum dann nicht gleich freie Rechte einräumen?

Wie will ich lizenzmäßig mit meinen erstellten Materialien künftig umgehen?

Meine Fotos und Videos werden künftig eine (CC)-Lizenz erhalten – vermutlich auch für kommerzielle Nutzung. Wenn mal wieder ein bisschen Zeit ist, dann kümmere ich mich um die Altbestände und werde die Lizenzierung entsprechend umstellen.

Neue Artikel sollen gleich eine (CC)-Lizenz erhalten.

Wie bin ich in der Vergangenheit mit fremden Medien umgegangen?

Falls ich fremde Texte / Bilder verwenden wollte, habe ich beim Rechteinhaber nachgefragt.

Fragen, die ich über COER13 klären möchte:

  1. Kann eine (CC)-Lizenz zurückgenommen oder verändert werden?
    Wenn ja, was passiert, wenn ich ein solches Werk weiter verwende und der ursprüngliche Urheber ändert sein Rechtemodell?
  2. Bei der Weitergabe unter sonst gleichen Bedingungen ist mir schon immer unklar, wenn ich z. B. ein Foto aus Flickr bearbeite, der Urheber dies auch erlaubt hat , und ich das veränderte Foto in eine geschlossene Lernplattform zu den gleichen Bedingungen einstelle, ist dies rechtlich einwandfrei? Das veränderte Bild ist nicht mehr öffentlich zugänglich. Sind die Bedingungen dann wirklich „sonst gleich“?!
  3. Wie binde ich die Lizenzvorgaben überhaupt in meine Werke ein? Beispielsweise hier im Blog?!

Mein generelles Ziel:

Mehr Materialien frei geben, aber auch mehr Materialien frei nehmen ;-).

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